Leipzig-Thekla-Evakuierung 1

Dies ist der Bericht über die Evakuierung der Lager in Thekla und Umgebung, die am 13. April 1945 begann und 26 Tage dauerte bis zur Befreiung, in deren Verlauf Tausende Deportierte, Männer, Frauen, tragische Stunden durchlebt haben.

Der Bericht beruht auf Aufzeichnungen von 4 unserer Freunde:
Ehemalige KLB Nr.     31272,    31308,    31314,    61210.
   
21137 Raimbault, Andre, 22.07.1922 27.01.1945 Bu
31272 Duzan, Jacques, 08.11.1922 03.12.1943 Bu
31308 Schiano di Cola, Jean 28.09.1924 03.12.1943 Bu
31314 Drapron, Pierre, 30.08.1925 03.12.1943 Bu
61210 Sasserand, Charles 10.07.1944 Bu
21721 Gaulier, Jean, 09.09.1899 27.01.1944 Bu
29416 Maillet, Jean, 24.03.1922 27.01.1945 Bu
30884 Borda, Bernard, 10.03.1923       03.12.1943 Bu
30888 Brun, Charles, 18.08.1923 03.12.1943 Bu
31137 Müller, Paul, 19.09.1924 03.12.1943 Bu
67002 Adorno, 24.07.1944 Bu


Ich werde versuchen, so genau wie möglich zu sein, indem ich aus jedem Bericht die plausibelsten Teile übernehme, weil die Erinnerung teilweise lückenhaft ist. Ich bedanke mich bei allen, die sich für das Folgende interessieren:

Andre Raimbault


1
Französische Überlebende hielten ihre Erinnerungen an den Todesmarsch in einem Tagebuch fest, welches sie der Gedenkstätte Buchenwald überreichten. Frau Franka Günther aus Weimar besorgte die Übersetzung ins Deutsche.
Die Genehmigung zur Veröffentlichung erteilte Andre Raimbault in Frankreich. Er war einer derer, die den Todesmarsch überlebten.

Journal de l´Association Thekla-Schönefeld 1958

Mittwoch 11. April 1945

Leipzig-Heiterblick

Wir befinden uns im Lager Thekla/Heiterblick 2 im Betrieb der Erlawerke. Die Amerikaner sind 60 km von Leipzig und 64 km von uns entfernt und versuchen die Stadt einzukreisen. Die Russen verstärken ihren Vorstoß auf Dresden, das in der Nacht von der R.A.F. sehr stark bombardiert wurde.

Wir sind glücklich, die Befreiung steht nahe bevor.

 

2 Leipzig-Heiterblick
Von September bis Dezember 1943 wurde von der Erla Maschinenwerke GmbH auf dem dafür erworbenen Grundstück am nordwestlichen Ende des Werkgeländes Werk I, neben dem Lager für italienische „Militärinternierte“, dem „Russenlager“ und den beiden Lagern für zivile Zwangsarbeiter ein Barackenlager mit fünf Baracken für Häftlinge aus dem Konzentrationslager Buchenwald errichtet.
 
Das Lager war mit einem doppelten Stacheldrahtzaun umgeben und hatte nur einen Zugang zum Werksgelände. Um das Gelände wurden Wachtürme aufgestellt. Das Außenlager Heiterblick, Wodanstraße 40 wurde vom SS-Unterscharführer Sattler geleitet.
 
Am 13. April 1945 löste man das Lager in der Wodanstraße 40 auf. Die Häftlinge wurden zusammen mit den Häftlingen aus anderen Lagern der Leipziger Erla Maschinenwerke GmbH auf den Todesmarsch in Richtung Theresienstadt getrieben.

Donnerstag 12. April 1945

Leipzig-Heiterblick

Um 10:00 Uhr morgens sind die Amerikaner 25 km nördlich der Stadt.
Um 11:00 Uhr sehen wir zum ersten Mal die russische Luftwaffe; es sind zweistrahlige Flugzeuge. Während zwei Stunden lang bombardieren sie den Flughafen von Mockau, 5 km nördlich unseres Lagers entfernt.

 

Von 16:00 - 20:00 Uhr wurden die Eisenbahnlinie und die Autobahn Leipzig - Straßburg stark bombardiert. Viele Brände. Tanklastzüge brennen, andere explodieren. Man könnte meinen, das Ende der Welt ist gekommen, vor allem für uns Häftlinge. Unsere Baracken halten die Druckwellen schlecht aus. Es gibt Verletzte bei uns. Wir erwarten die Alliierten jeden Moment, aber nichts kommt.
 
Wir hoffen auf Morgen: Freitag den 13.